Bild: Aus der Serie If smoke could be water | © Katrin Freisager
Journal
Mit Druckgrafik, Zeichnung und Fotografie befragt Cécile Wick im Museum Franz Gertsch das Wesen der Natur. Ihre Arbeiten suchen nicht die blosse Dokumentation eines Ortes, sondern dessen malerische Verwandlung.
Ein flüchtiges Glänzen auf stehendem Wasser, das verästelte Geflecht lichter Baumkronen oder ein isoliert leuchtender Himmelskörper im tiefen Schwarz: In den Werken von Cécile Wick wird Natur zur reinen Vergegenwärtigung. Die Schweizer Künstlerin nutzt das fotografische Ausgangsmaterial nicht als beweiskräftiges Dokument, sondern begreift das Bild als autonome Setzung. Die Kamera sammelt Eindrücke auf Reisen und Streifzügen – von alpinen Schneefeldern über Meeresküsten bis zu feinsten Blattstrukturen –, doch die geografische Verortung tritt dabei vollständig zurück. Der reale Schauplatz dient ihr lediglich als Impuls, um in einen vielschichtigen Dialog mit den Bildtraditionen östlicher und westlicher Landschaftskunst einzutreten.
In ihrer ersten Einzelausstellung in der Zürcher Galerie Lullin + Ferrari seziert die Fotografin Anne Morgenstern eine Gesellschaft am Kipppunkt. Die neue Serie «Sunset Sour» ist eine visuelle Untersuchung von Orten und Körpern, an denen sich Opulenz und unabwendbarer Zerfall begegnen – ein Abgesang, der überraschend viel Wärme birgt.
Das Fotomuseum Winterthur widmet der US-amerikanischen Fotografin Helen Levitt eine umfassende Retrospektive. Die Ausstellung präsentiert ihr Werk zusammen mit dem erst seit Kurzem öffentlich zugänglichen Archiv. In thematischen Kapiteln weitet sich der Blick auf eine Künstlerin, welche die Strassen New Yorks mit feinsinnigem Humor zur Bühne des alltäglichen Lebens erklärte…
Lichtbahnen schneiden durch den Dunst enger Gassen, während menschliche Silhouetten im Spiel von Kontrast und Rhythmus verharren: Mit Fan Ho zeigt der Turiner Palazzo Falletti di Barolo das meisterhafte Werk eines Chronisten, der das Hong Kong der Fünfziger- und Sechzigerjahre in zeitlose Bildmetaphern verwandelte.
Zürich war in den Achtzigerjahren eine unruhige Stadt, zerrissen zwischen Finanzmetropole und Gegenkultur. Die Fotografin Gertrud Vogler fing diese Zeit des Umbruchs mit unbestechlicher Sanftmut ein – ein neuer Bildband würdigt nun erstmals ihr Schaffen.
Das internationale Festival «Grenze» präsentiert in Verona Arbeiten, die sich mit dem Fortwirken und Verändern von Fotografien beschäftigen. Im Mittelpunkt der neunten Ausgabe steht die fotografische Arbeit des iranischen Regisseurs Abbas Kiarostami – flankiert von internationalen Projekten wie jenem der Schweizer Fotografin Aline Bovard Rudaz.
Ein sonnengelber Wandapparat vor floralen Kacheln, ein Junge, der verträumt an einem Glace leckt, und eine junge Frau, die im Kostüm keck auf einer Waschmaschine hockt: Die Bilder von Beat Jost (1936–2026) erzählen von einer Epoche, in der die Zukunft glänzte und das Versprechen des Wohlstands in greifbare Nähe rückte. Als einer der gefragtesten Berner Werbe- und Sachfotografen prägte Jost die visuelle Kultur der 1960er- bis 1980er-Jahre massgeblich. Für Traditionsmarken wie das Warenhaus Loeb, Wander-Ovomaltine, Vidmar, IBA oder Pierrot-Friola setzte er die aufblühende Warenwelt mit meisterhafter Präzision in Szene und schuf Motive, die das Alltagsgedächtnis einer ganzen Generation formten.
Das Vergehen als schöpferischer Akt: Während Berlin Walter Schels mit einer Retrospektive ehrt, zeigt die Galerie VisuleX in Hamburg seine intimen Pflanzenstudien. Arbeiten, in denen Licht, Chemie und getrocknete Blütenblätter zu einer eigenwilligen Metamorphose finden.